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U-Verlagerung Barbe


Mauerreste


Die Untertage-Verlagerung mit dem Decknamen Barbe befand sich im Schwarzwald, genauer gesagt in dem Hartsteinwerk Vulkan, welches sich in der Nähe des Örtchens Haslach befand. Die Geschichte der Hartsteinwerke Vukan begann im Jahre 1902. In diesem Jahr wurde der Abbau von Hartstein erstmalig im Tagebaubetrieb abgebaut. In dem Steinbruch am Urenberg wurde überwiegend ein besonders hartes Gestein mit dem geologischen Namen Amphibolit gewonnen. Hier muss ich kurz ausholen und eine kleine Beschreibung einfügen. Amphibolit ist ein dunkles, sehr hartes und zähes metamorphes Gestein, welches sich aus den Mineralien Amphibol und Plagioklas- Feldspat zusammensetzt. Amphibolit entsteht, wenn sich basaltische Gesteine unter großen Druck und bei mittleren bis hohen Temperaturen im Erdinneren verschmelzen und somit umgewandelt werden. Aufgrund seiner großen Festigkeit, Wetterbeständigkeit und Abtriebfestigkeit wird Amphibolit häufig als Schotter für den Straßenbau oder Eisenbahndammbau verwendet. Im Fall von Haslach war genau diese Robustheit des Gesteins der Grund, warum der Amphibolit von den Hartsteinwerken Vulkan abgebaut wurde. Doch weiter im Text. 


Im Jahre 1905, also bereits drei Jahre nach Eröffnung des Bergwerks, übernahm der Steinbruchunternehmer Philipp Leferenz aus Heidelberg das Unternehmen, welches sich zu dieser Zeit in argen Geldnöten befand. Dieser Amphibolit-Steinbruch im Schwarzwald verfügte zu diesem Zeitpunkt über eine rund zwei Kilometer lange Seilbahn, welche den Abtransport des Gesteins zur Verladestation an der Schwarzwaldbahn im Tal wesentlich erleichterte. Ab dem Jahre 1911 wurde der Abbau von Amphibolit nicht nur im Tagebau, sondern auch unter Tage betrieben. Bis Mitte der 1930er Jahre entstanden so entstanden so mehrere Stollenanlagen im Berg. Die Stollen hatten
eine Länge von bis zu 400 Metern in den Berg. Damit entwickelte sich das Hartsteinwerk Vulkan zu einem wichtigen Industriestandort der Region, sowohl wirtschaftlich als auch infrastrukturell. Die unterirdische Stollenanlage der Hartsteinwerke Vulkan bestand aus drei Sohlen. Die jeweiligen Stollen waren auch gleichzeitig die Abbauhallen des Gesteins und wurden A.B und C genannt, wobei Sollen C die oberste Abbausohle war. In der Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland ging es dem Betrieb zunächst noch recht gut. In den Anfangsjahren des Dritten Reiches erhielten die Hartsteinwerke Vulkan immer wieder staatliche Aufräge. Zum Beispiel von der Organisation Todt für den Bau des Westwalls. Diese und andere Großaufträge des Deutschen Reichs hielten das Bergwerk bis 1941 in vollen Betrieb. Danach änderte sich die gute Situation. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg wurden vom Reich immer mehr große Bauprojekte zurück gestellt, so daß die Hartsteinwerke keine Aufräge mehr bekamen. Aus diesem Grund wurde das Hartsteinwerk Vulkan im September 1942 geschlossen und der Abbau von Amphibolit eingestellt. Die Belegschaft des Bergwerks und ebenso die Maschinen sollten für den Einsatz in die Ukraine verlagert werden. Doch auch dieses Vorhaben wurde kriegsbedingt nicht mehr umgesetzt. Die Stollen der Hartsteinwerke Vulkan wurden nun für die Rüstungsindustrie des Deutschen Reiches interessant.


Stollenmundloch

Wasserstrecke unter Tage


Beton im Wald


Wie in anderen Berichten auf dieser Homepage auch schon beschrieben, nahm das Reichsamt für Bodenforschung im Jahre 1943 sämtliche bekannten unterirdischen Anlagen im Deutschen Reich genauer unter die Lupe um nach möglichen Verlagerungsorten der Rüstungsindustrie
zu fahnden. So auch die unterirdischen Steinbrüche der Hartsteinwerke Vulkan. Dieses Erkunden dauerte natürlich seine Zeit. Am 14. April 1944 beschlagnahmte schließlich das Reichsministerium für Rüstung und Kriegswirtshaft den Vulkan-Steinbruch um dort eine bombensichere Untertage-Verlagerung für die kriegswichtige Industrie des Reiches voran zu treiben. Geplant war anfangs der Ausbau einer rund 18.500 qm unterirdischen Produktionsfläche in den Stollen der Hartsteinwerke. Hier sollte die Firma Mannesmann Stahlblechbau unter dem Decknamen Barbe Bauteile für die sogenannten V-Waffen herstellen. Die U-Verlagerung Barbe erhielt die Objektnummer 94. In
der untertägigen Produktionsstätte sollten die Argusrohre Fi 103 produziert werden. Sie bezeichnen die Triebwerke, sogenannte Pulsstrahltriebwerke, der Flügelbombe Fi 103, auch besser bekannt als die V1, der ersten serienmäßig eingesetzten Flugbombe, eine Art Marschflugkörper, welche im Zweiten Weltkrieg in Deutschland entwickelt wurde. Doch die Firma Mannesmann sah einige Zeit später vom Stollenprojekt Barbe ab und zog in eine größere und zentraler gelegene Anlage ein, welche natürlich das bekannte Mittelwerk in Nordhausen war. Aber die Flugzeugwerke Messerschmitt AG bekundeten nebenher ebenfalls Interesse an den unterirdischen Stollen in Haslach. Und die Messerschmitt-Werke brauchten bekanntlich eine Menge bombensicheren,
unterirdischen Raum für ihre Flugzeugfertigung im Deutschen Reich. Doch auch die Messerschmitt-Werke kamen nicht in den Stollen der Hartsteinwerke unter und mussten in zahlreichen anderen Untertage-Verlagerungen Platz nehmen. Im Juni 1944 begann der Aus,- und Umbau der Stollenanlage zur U-Verlagerung. Die Planung und Führung dabei übernahm wie so oft die Organisation Todt. Die ausführenden Firmen dabei waren die Baufirmen Dohrmann und Wayss & Freytag, zwei örtliche Bauunternehmen, welche allerdings schon einige Erfahrung mit dem Ausbau von Stollenanlagen vorweisen konnten. Als sich die Stollenanlage Vulkan bereits
im vierten Monat des Umbaus befand und schon fast Bezugsfertig war, wurde der Verlagerungsbescheid zugunsten der Firma Daimler-Benz genehmigt.


Das Daimler-Benz-Werk in Gaggenau wurde durch alliierte Bomber fast vollständig zerstört, so dass eine bombensichere Produktionsstätte dingend von Nöten war. Somit wurde gehörte die U-Verlagerung Barbe nun dem dem KFZ-Progamm des Reiches an, und nicht dem Jäger-Programm, oder dem V-Waffen-Programm, wie anfangs geplant war. Unter der Verantwortung von Daimler-Benz Direktor Karl Müller wurden weitere Häftlinge nach Haslach überstellt, um den Ausbau der Stollen für die geplante Panzerteileproduktion zu beschleunigen. Auf den Stollensohlen A und B wurde so eine Produktionsfläche von 12.000 qm für Daimler-Benz erschaffen. Im Stollen C entstand eine weitere Produktionsfläche mit der der Größe von 4.500 qm, welche die Firma Ebner aus Georgen (Scharzwald) beziehen sollte. Diese Firma war ebenfalls im KFZ-Progamm des Deutschen Reiches integriert und sollte dort Kleinmotoren herstellen. Die Umbauarbeiten der Untertage-Verlagerung Barbe zogen sich bis Ende Januar 1945 hin. Erst dann konnte mit der unterirdischen Produktion begonnen werden, welche bis zum Ende des Krieges aufrecht erhalten wurde. Für alle Arbeiten auf der Baustelle Barbe wurden eine Menge Zwangsarbeiter und Häftlinge herangezogen. Zum Teil stammten die Gefangenen aus dem Sicherungslager Schirmeck im Elsass. Zum Umbau der Stollen zur Untertage-Verlagerung entstanden gegen Ende 1944 in Haslach drei Aussenlager. Dieses waren die Lager Sportplatz (ab September 1944), Lager Kinzigdamm (ab Dezember 1944) und das Hauptlager Vulkan direkt vor den Stollen. Insgesamt wurden etwa 1.700 Häftlinge aus 21 Ländern nach Haslach verschleppt, welche wie so oft unter denkbar schlechten Bedingungen ihre Arbeit verrichten mussten. Nachweislich starben mindestens 223 Männer in Haslach.


Schacht

Beton im Wald


Riss der untertägigen Produktionsstätte


Zum Abschuss dieses Berichtes sollte noch erwähnt werden, dass die U-Verlagerung Barbe in Haslach leider nicht mehr befahren und erkundet werden kann. Alle Stollen wurden gesprengt und verbergen ihre Geheimnisse für immer in der Dunkelheit des Berges. Über Tage sind noch ein
paar Relikte in Beton im Gelände zu erkennen. Der zentrale Wasserlösestollen ist noch zu sehen, allerdings mit einem Gitter für Neugierige wie uns versperrt. Trotzdem handelt es sich hierbei um ein Stück Deutscher Geschichte, welche, wie ich finde, einer Erinnerung wert ist. Die Fotos stammen von Svenska und der Bericht ist eine überarbeite Version von Eismann. 

Danke und Glück Auf!


Stollenhausen, Dezember 2025