u-verlagerungen.de

unterirdische rüstungsprodukion in wort und bild

 
 

Produktionsstätten über Tage


Übertage-Verlagerungen

Nicht alle Verlagerungen der Rüstungsindustrie wurden unter Tage errichtet. Schon bevor die eigentliche große Welle 1943/1944 der Untertage-Verlagerungen begann, gab es einige unterirdische Projekte wie zum Beispiel die Befehls-Bunker der Wehrmacht oder die zu Lagerungszwecken genutzten Stollen. Hier sind die Stollen der WIFO (Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft im Kohnstein bei Nordhausen (später U-Verlagerung Mittelwerk) ein passendes Beispiel. Ab Juni 1943 kam es zu einem regelrechten Wettbewerb zwischen den teilweise ausgebombten Betrieben der Rüstungsindustrie. Jeder wollte einen "sicheren" Produktionsplatz in den Verlagerungsräumlichkeiten im mitteldeutschen Reich, welcher sich zum größten Teil in den relativ dünn besiedelten Gebieten wie Thüringen, Hessen oder Bayern befand, zugesichert bekommen. Zunächst noch über Tage. Dezentralisierung war das Zauberwort. Doch die meisten Rüstungsbetriebe wollten ihren Maschinenpark und ihre Arbeitskräfte zusammen halten und sprachen sich beim RmfRüK gegen viele kleine übertägige Ausweichquartiere aus. Das Ministerium Speer suchte nach einer anderen Lösung und fand diese unter Tage. (siehe U-Verlagerungen)


Foto: Projekt Jakob - Betonfundamente im Wald


Dennoch wurde eine Vielzahl von übertägigen Untertage-Verlagerungen (Oxymoron?) erbaut. Diese lagen immer versteckt im Schutz der Wälder oder in kleineren Steinbrüchen, welche mit Tarnnetzten gegen alliierte Luftaufklärer abgetarnt waren. Einige der Übertage-Verlagerungen waren Munitions-Herstellungsstätten, welche wegen der Explosionsgefahr nicht unterirdisch gebaut werden konnten sondern verteilt und versteckt im Wald lagen. Es gab oftmals auch eine Kombination zwischen unterirdischer und oberirdischer Verlagerung, wobei nur das Herzstück, die wichtigsten Maschinen oder das Lager unter Tage untergebracht war. Eine bekannte oberirdische U-Verlagerung war die Anlage mit dem Decknamen "Hecht 4" in den Ith-Hils bei Hameln. Während die anderen Hecht-Anlagen allesamt unter Tage verlagert wurden, wurde "Hecht 4" von Anfang an als "Waldverlagerung" geplant und gebaut. Die reine Fertigungsfläche der zum Jägerprogramm gehörende Verlagerung "Hecht 4" sollte 21.500 Quadratmeter betragen. Das nur am Rande erwähnt.

Ebenso die Barackenlager für die Arbeitskräfte, die Zwangsarbeiter, wurden fast immer oberirdisch in unmittelbarer Nähe zur eigentlichen Untertageverlagerung errichtet. Bombensicherheit war in diesem Falle wohl nicht so wichtig, weswegen nur selten Luftschutzanlagen mit errichtet wurden.

Doch die größte Anzahl der Übertage-Verlagerungen wurden im Rahmen des Geilenberg-Programms erbaut. Die zum Mineralölsicherungsplan gehörenden Projekte wie Jakob, Ofen, Rost, Wüste, usw...  wurden allesamt in kleinen versteckten Tagebauen und Steinbrüchen errichtet. Zum Teil mit Luftschutzstollen für die Belegschaft oder das Labor. Da es sich um relativ kleine Geilenberg-Projekte handelte, konnten sie mit geringen Aufwand erbaut werden und schnell in Produktion gehen, zumal es sich hierbei oftmals auch um sogenannte "Vorwerke" der eigentlichen großen untertägigen Geilenberg-Projekte wie "Dachs" oder "Schwalbe" handelte. Einige übertägige Kleinstanlagen wie zum Beispiel "Projekt Rost" war auch zur Reserve-Produktion gedacht und befanden sich in stillgelegten Fabriken oder Bergwerken in Wartestellung.


Foto: ehemaliges Stollenmundloch in einem Steinbruch - Geilenberg-Projekt "Krebs 1"


Hier in dieser Kategorie werden nun einige ausgewählte "Übertage-Verlagerungen" vorgestellt. Siehe Leiste links! Auch hier gilt: Alle Objekte zeigen auf den Fotos den jeweiligen Zustand der Anlagen, zu dem Zeitpunkt an dem wir sie besucht und fotografiert haben. Das Exkursionsdatum,  bzw. Jahr, steht wie (fast) immer unter den jeweiligen Berichten. Mehr Infos gibt es auch dort...


© Eismann, Oktober 2017