U-Verlagerung Hausen
Eine der Neuentdeckungen wärend unserem diesjährigen Urlaub in Thüringen war die hier vorgestellte Untertage-Verlagerung mit dem Decknamen Hausen. Der Hausen ist übringens ein Fisch, besser bekannt unter seinem anderem Namen Beluga-Stör. Die Untertage-Verlagerung befand sich in dem Schieferbergwerk Kühler Morgen in der Nähe von Lehesten im Thüringer Schiefergebirge. Als wir unser Auto an dem Tag der Erkundung auf dem kleinen Wanderparkplatz abstellten war es wirklich ein kühler Morgen. In der Nacht davor sank die Temperatur auf Null Grad und als wir losgingen, war es mollige 7 Grad warm, begleitet von wunderschönen Hagelschauern. Obwohl wir schon mitte Mai hatten, war der sogenannte Frühling noch nicht wirklich bereit uns angenehme Temperaturen zu bescheren, Aber ab und zu kam auch die Sonne durch und zeigte uns, welche Kraft sie schon hatte. Diesen kurzen Anflug von Frühling nutzten wir natürlich, um eine Weile in der schönen Natur zu verweilen und ein leckeres Saalfelder zu trinken. Da uns im Vorfeld klar war, dass der Tiefbau der Zeche Kühler Morgen abgesoffen war, und somit die ehemalige U-Verlagerung nicht zu befahren war, erwarteten wir nichts Besonderes zu finden. Aber egal, ich hatte das Bergwerk, oder besser gesagt die Reste davon, schon lange auf dem Schirm und wollte einfach mal gucken wie es dort aussieht. Laut Svenska soll auf dem Gelände auch irgendwo eine Splitterschutzzelle herum stehen und auf meinem Besuch warten. Ich mag ja die kleinen Dinger echt gerne, aber leider hatte sie sich so gut versteckt, dass wir sie nicht fanden, Trotzdem war es ein wundervoller Tag mit meinen Freunden im Thüringer Wald.
Abgesoffener Tagebau der Schiefergrube Kühler Morgen
Die erste Datierung der Schiefergrube Kühler Morgen stammt aus dem Jahre 1873, wobei ein Grubenfeld von 16 Hektar Grösse von zwei Personen, Bernhard Strubel und Bernhard Schreer, gemutet und vom Bergamt zu Lobenstein genehmigt wurde, Doch ein Schieferbruchbetrieb wird von den beiden nicht in Angriff genommen, so dass sie ihre Bergwerksrechte im Jahre 1874 wieder verkauften. Der neue Besitzer des Geländes wurde Hermann Oertel, welchem auch der der bekannte Oertelsbruch in der Nähe gehörte. Als Hermann Oertel im Jahre 1905 starb, übernahmen seine Angehörigen den Schieferbruch. Hier hervorzuheben war sein Sohn Walter Oertel. Die Besitzverhältnisse änderten sich in den Folgejahren andauernd, so dass ich hier darauf nicht näher eingehen möchte, zumal es eh nur die Wenigsten interressiert. Wir machen einen kleine Zeitsprung ins Jahr 1935. Obwohl die Abbauverhältnisse im Schieferbruch Kühler Morgen recht günstig waren, galt das Bergwerk als relativ unrentabel. Dieses lag zum Einen an der Wirtschaftskrise und zum Anderen an den ungeklärten Besitzverhältnissen der Grube. Dieses änderte sich im Jahre 1936. Um die Schließung des Bergwerks zu verhindern, übernahm Betriebsführer Kettner aus Röttersdorf die Sache und gründete die Firma Kühler Morgen GmbH. Er nahm mehrere Gesellschafter mit ins Boot und stellte einige neue Arbeiter ein. Ab dem Jahre 1938 stieg die Belegschaft stetig an und der Bergwerksbetrieb expandierte. Ab 1941 war der Tagebau bereits auf die sechste Sohle abgeteuft und der Untertagebau war mit vielen Hohlbauen im vollen Gange. Desweiteren wurde ein zentraler Wasserlösestollen aufgefahren und eine zweite Tiefbausohle in Angriff genommen. Übertage wurde ein neuer Schrägaufzug errichtet und ein Gestellhaspelberg gebaut. Die ehemalig verstreuten Spalthütten wurden neu direkt am Haspel errichtet. Dieses vereinfachte die Förderung und Verarbeitung des Schiefers um ein Vielfaches.
Das Licht am Ende des Tunnels
Größenvergleich
Stollenstrecke
Im Sommer bestimmt schön hier...
Sprengstoffbunker der Grube Kühler Morgen
Ein Lagerraum im Bunker
Nische für Zünder
Und weiter geht die Suche...
Pumpenhaus
Im Jahre 1944 waren noch rund 35 Bergleute, davon 12 Ausländer in der Schiefergrube Kühler Morgen beschäftigt, sie produzierten noch 13.850 Zentner Dachschiefer, als das Bergwerk in den Fokus der Rüstungsindustrie des Deutschen Reiches geriet. Das Rüstungsamt lässt im Oktober 1944 rund 1.500 Quadratmeter der untertägigen Hohlbaue der Grube sperren um dort eine Untertage-Verlagerung einzurichten. Unter der Objektnummer 1159 wurde von der Organisation Todt veranlasst, drei der unterirdischen Hohlbaue von Schutt zu beräumen und eine ebene Produktionsfläche zu schaffen. Die Gesenke werden verfüllt und gegen die Nässe wird unter Tage ein Dach eingezogen. Die Zugangsstollen werden erweitert und einige Fundamente aus Beton werden gegossen. Die Berliner Maschinenbau-Firma sollte auf der 590-Meter-Sohle Hydraulikgeräte produzieren. Im November 1944 änderte sich der Verlagerungsplan und von nun ab wurde die Sohle auf 610 Metern für die Firma Maschinenbau AG, ebenfalls aus Berlin stammend, vorbereitet werden. Diesmal sollten Flugzeugteile unter Tage produziert werden. Ab dem 23. Nowember 1944 waren alle Kumpel mit in das geheime Bauprojekt der Nazis integriert. Es wurden Wetterlutten installiert und bevor der eigentliche Rüstungsbetrieb in das Bergwerk Kühler Morgen einziehen konnte, war im Januar 1945 eigentlich alles schon wieder vorbei. Da die Umbaumaßnahmen derart schleppend voran gingen, und bis Januar 1945 lediglich ein Hohlbau auf der 610-Meter-Sohle fertig betoniert und mit Lichtanlagen ausgestattet war, gab man das Projekt Hausen wieder auf. Es fehlten einfach die Arbeiter. Dennoch wurden in dem einzigen ausbetonierten Thüringer Hohlbau bereits die Maschinen eingelagert. Aber die Firma Maschinenbau AG aus Berlin fand einen anderen Platz für ihre bombengeschützte Produktion und die U-Verlagerung Hausen wurde wieder aufgegeben. Danach ging die Dachschieferprodukion im geringen Umfang weiter. Ab April 1945, also gegen Kriegsende wurden die letzten Maschinen der U-Verlagerung ausgebaut und abtransportiert. Danach kamen die Sowjetischen Besatzer und überlegten, ob sie die unterirdischen Hohlräume der Grube Kühler Morgen sprengen oder verfüllen sollten. Aber nichts dergleichen geschah. Zum Glück. Ab dem Jahre 1946 wurde das Land Thüringen Eigentümer der Schiefergrube Kühler Morgen. Noch bis zum Jahre 1969 wurde in dem Bergwerk Kühler Morgen Schiefer abgebaut und am 22.07.69 endete der Bergbau dieser Grube.
Ein weiterer gefluteter Tagebau - rechts im Bild das ehemalige Schachtgebäude
See mit Schieferhalde im Hintergrund
Ein idyllischer Ort
Brotzeit
Wie eingangs schon erwähnt dienen die beiden Tagebaue Kühler Morgen und Hoffnung der Trinkwasserversorgung und sind geflutet worden, Die Tiefbaue sind somit unerreichbar für uns geworden. Dennoch ist ein Stollen, welcher damals zur Lokomotivförderung diente, noch oberhalb der Wassergrenze vorhanden und kann befahren werden, wenn man ihn denn findet. Ansonsten gibt es heutzutage keinerlei Relikte von der U.Verlagerung Hausen mehr im Gelände zu finden. Trotzdem finde ich, dass die Untertage-Verlagerung hier einen kleinen Bericht wert ist.
Unterwegs waren Svenska, Tommi, Motte und Eismann.
Bericht und Fotos von Eismann
© u-verlagerungen.de, mai 2026
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