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U-Verlagerung Orfe



Das ehemalige Schieferbergwerk Fortuna befindet sich bei dem Örtchen Probstzella mitten im Thüringer Schiefergebirge. Es hatte zuvor ein geringer Abbau von Schiefer in einem kleinen Tagebau gegeben, aber so richtig los mit der Grube Fortuna ging es im Jahre 1894, als der neue Besitzer Lois Wagner aus Lehesten das Bergwerk übernahm. Von nun ab wurde der Abbau von Dachschiefer und Tafelschiefer im reinen Untertage-Betrieb begonnen. Nach dem Vortrieb einiger Stollen lief die Produktion im Jahre 1896 an. Unter der Leitung von Mitbesitzer Fritz Hauck, welcher später auch Betriebsführer war, wurde in den Folgejahren regelmäßig 600 bis 800 Tonnen Schiefer jährlich im Tiefbau abgebaut. Die Belegschaft dabei bestand immer so um 30 und 40 Bergleuten. Der abgebaute Schiefer galt als einer der Besten aus Europa. Im Jahre 1911 hatte das Bergwerk Fortuna eine Größe von insgesamt 71 Hektar, was das Grubenfeld anbelangte. Es gab vier
Betriebssohlen, welche die zwei großen Schieferlager jeweils von oben und von unten anfuhren. Jedes der beiden Lager hatte eine Mächtigkeit von 15 Metern. Abgebaut wurde der Schiefer im sogenannten Hohlbau.Verfahren, so dass nach dem Abbau große Kammern im Berg zurück blieben. Im Jahre 1912 wurde der Tiefestollen (unterster Förder,- und Wasserlösestollen) der Grube Fortuna aufgefahren. Ein Jahr darauf wird das Bergwerk mit Elektrizität ausgestattet, worauf die Förderung sprunghaft auf die doppelte Menge, auf 1.200 Tonnen pro Jahr ansteigt. Desweiteren wurde unter Tage eine Luftkompressoranlage mit elektrischem Antrieb eingebaut. Man ging davon aus, dass das Schieferlager, einschließlich der noch unverletzten Mutungsfelder, noch für viele
Jahrhunderte reichte. Doch zu Silvester 1939 kam überraschenderweise das Aus der Schiefergrube Fortuna. Ein unglaublich starker Wassereinbruch, welcher mit damaligen Mitteln nicht mehr eingedämmt werden konnte, ließ das Bergwerk innerhalb kürzerster Zeit absaufen und den Abbau von Schiefer zum Erliegen zu kommen.


Parkplatz gefunden


Folge den Oberleitungen


Die Wandergruppe "Glückauf" im Thürnger Wald


Aha, Halden und Tagebaue - hier sind wir richtig.


Ein Schluf...


Fast alle Schieferbergwerke im Landkreis Saalfeld wurden ab Mai 1944 systematisch geprüft und erkundet ob sie als Untertgage-Verlagerung genutzt werden konnten. So auch die Schiefergrube Fortuna bei Probstzella. Zunächst wurde sie als ungeeignet eingestuft, erhielt aber nach nochmaliger, genauerer Untersuchung vom Reichsministerium für Rüstung und Kriegswirtschaft ab August 1944 den Decknamen Orfe. Die oberen zwei Sohlen des Bergwerkes waren als geeignet zur U-Verlagerung eingestuft worden. Der Deckname Orfe (ein Fisch) wurde passend zum Bergwerk gewählt und die Objektnummer 1163 wurde mit in die Liste vom Ministerium Speer aufgenommen.
Doch danach geschah erst einmal nichts. Während in den anderen Bergwerken rund um Probstzella zumindest schon einige Vorarbeiten, sei es durch die Organisation Todt oder der SS unter der Leitung von Hans Kammler, durch geführt wurden, passierte in der Grube Fortuna weiterhin nichts. Stillstand wie auf dem Kölner Ring an einem Freitag Abend. Der letzte Eintrag bezüglich der U-Verlagerung Orfe stammt vom 8.Januar 1944, wonach die Grube Fortuna zur Einlagerung von Geräten, was auch immer damit gemeint war, der Kriegsmarine herzurichten sei. Doch auch dieses Vorhaben ist nicht realisiert worden, so dass die Untertage-Verlagerung mit dem Decknamen Orfe lediglich auf dem Papier existierte, während benachbarte U-Verlagerungen wie Kaulquappe oder Rotbutt schon in voller Produktion standen. Am 21.04.1950 ging der Betrieb Fortuna wieder in Betrieb, diesmal in Vereinigung mit der benachbarten Schiefergrube Hartmann. (Deckname Unke, Objektnummer 1162) Im Jahre 1959 wurde das Bergwerk Fortuna entgültig stillgelegt und diente in der Folgezeit, bis zum heutigen Tage, als Trinkwasserspeicher für die Anwohner in Probstzella-Reichenbach. Wir waren bei unserer Exkursion ebenfalls nur in den oberen zwei Sohlen der Grube Fortuna, bzw. der geplanten U-Verlagerung Orfe. Die Stollenmundlöcher der unteren Sohlen befinden sich auf privaten Grund und wenn Auswärtige sich dem Altbergbau nähern, kommt sofort der "Aufpasser" mit seinem Motorrad und verfolgt dich den Rest des Tages...


Stollen der Schiefergrube Fortuna


Geplante Untertage-Verlagerung


Stollen mit abgesoffenen Schacht in der Sohle.


Erstmal schön unter Tage den Regenschauer abwarten.


Blick über das Thüringer Schiefergebirge.



Erste Exkursion zur U-Verlagerung Orfe: Frühling 2017, Wetter: Sonnig, 20 Grad, Svenska, Motte und Eismann - keine Befahrung


Zweite Exkursion zur U-Verlagerung Orfe: Frühling 2026, Wetter: Kacke, 7 Grad und Schauer, Svenska, Motte, Tommi und Eismann - Befahrung


Erinnerung, Recherche und Text: Juni 2026, Wetter: 36 Grad, trocken, ich schmilze gleich.
Text und Fotos von Eismann. Danke an meine Freunde (Team Stollenhausen / Team Minehunters) die dabei waren.